Der Marxismus – Wissenschaft, Bewegung oder Weltanschauung? Buchvorstellung und Diskussion


Eine weitere interessante Veranstaltung, die wir euch empfehlen möchten, gibt es ebenfalls am Mittwoch den 02.11. um 18 Uhr im Seminarzentrum Raum L 113, (Silberlaube, Otto-von-Simson-Str. 26) unter dem Titel: Der Marxismus – Wissenschaft, Bewegung oder Weltanschauung? Buchvorstellung und Diskussion. Die Veranstaltung wird organisiert von der Hochschulpolitischen Linken und dem AStA FU.

Zur Veranstaltung:

Nicht nur auf dem Straßenschild am Eingang der Neuköllner Karl-Marx-Straße wird Marx bis heute als “Begründer des Wissenschaftlichen Sozialismus” vorgestellt. Seine Theorie gilt als Übergang von einer politisch-utopischen hin zur historisch-ökonomischen Gesellschaftskritik. Selbst Westberliner Sozialdemokraten, bis heute zuständig für die Neuköllner Straßenbeschilderung, erkennen Marx in diesem Sinne als Philosoph und Wissenschaftler an.

Dennoch ist Marx Lehre nicht nur von seinen Kritiker_innen immer wieder als “Weltanschauung” oder gar “Glaubensbekenntnis” bezeichnet worden. Gerade innerhalb der sozialistischen Bewegung wurde das Bedürfnis nach Weltanschauung durch eine einfach gestrickte Lesart von Marx´ und Engels Schriften befriedigt: In der Hochphase der sozialistischen Bewegung vor 1933 las kaum jemand Marx im Original, seine Ideen waren durch populäre Broschüren anderer Autoren bekannt und dienten vor allem zur Markierung einer gemeinsamen Gegenkultur. Im Staatssozialismus wurde diese an Marx als Markenzeichen orientierte “Anwendung” bis zur Parodie weitergeführt.

Aus dieser Situation heraus ergaben sich zahlreiche Versuche, den “eigentlichen Marx” zu entdecken oder ihn in einer “Neuen Marx-Lektüre” wieder als analytisches Werkzeug für Gesellschaftskritik nutzbar zu machen. Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass in Zeiten angeregter Theoriebildung nicht unbedingt auch die sozialistische Bewegung florierte. Im Gegenteil: Da, wo ein schlichter und populärer Marxismus vorherrschte, war auch die Bewegung stark. Neue Marx-Lesarten entstanden hingegen oft in Zeiten, in denen die Bewegung völlig geschlagen war. Beispiele sind die “Gefängnishefte” des im italienischen Faschismus eingekerkerten Sozialisten Antonio Gramsci oder die Frankfurter Schule im amerikanischen Exil der 1940er Jahre.

Ist also ein popularisierter Marxismus notwendig? Wenn ja, wo hört Popularisierung auf, wo fängt verkürzte Kapitalismuskritik an? Oder brauchen wir die Kürze? Ist der Preis für wissenschaftliche Genauigkeit, daß die Marxsche Theorie zur esoterischen Beschäftigung eines kleinen Kreises von SpezialistInnen wird?

Diese Fragen sollen gemeinsam mit dem Ökonom Michael Heinrich, dem Historiker Ralf Hoffrogge und allen Interessierten diskutiert werden. Heinrich ist Autor der bekannten Einführung “Kritik der Politischen Ökonomie” in der Reihe theorie.org, von Ralf Hoffrogge erscheint in Kürze eine Einführung zu “Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland” in derselben Reihe.

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