Onkel Dieter kümmert sich!

So verwunderlich es auch klingen mag für all diejenigen, die sonst gerne mal über das FU-Präsidium schimpfen (und das zu Recht!): Dieter Lenzen sorgt sich um uns!
Ja, tatsächlich! Trotz überquellendem Terminkalender besuchte er deshalb gestern morgen eine volle ErstsemesterInnen-Vorlesung der Erziehungswissenschaften, um nachzufragen, was er denn mit dem Geld anstellen solle, dass durch die Exzellenzinitiative zu Verfügung stehe. Über den Unsinn der Exzellenzinitiative im Allgemeinen und im Besonderen soll an dieser Stelle nicht gesprochen werden – Michael Hartmann übernimmt dies am 27.11.
Eine vollkommen neue Problemlage jedenfalls für das Präsidium der FU! Obwohl es prinzipiell sehr begrüßenswert ist, dass Studierende in Entscheidungsprozesse und Mittelvergabe eingebunden werden (auch wenn dies im Allgemeinen nur rein nominell geschieht), ist es dennoch völlig unverständlich, dass der Präsident der FU diesen inoffiziellen Weg wählte und weder akademische Gremien noch offiziell gewählte Studierendvertretung einbezogen hat, sondern sich wahllos an einige wenige Studierende wandte.
Schade vor allem, dass er, nachdem er bereits zur Podiumsdiskussion der FSI Geschichte zur Gedenkpolitik der FU nicht erschienen war, erneut nicht mit uns gesprochen hat – die FSI Geschichte hätte sicher eine Menge guter Ideen gehabt. Man denke nur an den Neubau eines Dieter-Lenzen-Tempels, der vom Lenzen-Fanclub bereits seit einem Semester gefordert wird…
Nebenbei wollte er wohl noch wissen, welche Probleme die anwesenden Studierenden bewegen würden – und erhielt wohl eindeutig mehr Antworten als er sich das von seiner „exzellenten“ Universität erwartet hätte, und dass, obwohl die anwesenden Studierenden erst seit einigen Wochen Teil haben dürfen an seiner Freien Uni.
Es bleibt nur zu hoffen, dass er nicht allzu ernst genommen wurde: Denn dieser Auftritt wird weder Folgen für die Situation der Studierenden der FU haben, geschweige denn für die Vergabe der Mittel der Exzellenzinitiative. Der Präsident handelte nach einem Prinzip dass er sich wohl in einem Populismus-Kurs während seiner eigenen Studienzeit angeeignet hat: Volksnähe beweisen – das ganze aber bitte ohne Konsequenzen, unten wird geredet, oben wird entschieden. Oder wie es im Wirtschaftsjargon heißt: Top-Down-Führungsstrategie.
Insgesamt plauderte Dieter Lenzen fast eine Stunde mit den StudienanfängerInnen, während deren Prof, der von alledem nichts gewußt haben will, danebenstand und seine Lehrzeit verschwinden sah…
Dann wurden aus den Reihen der ErstsemesterInnen die ersten Fragen nach Sinn und Zweck dieser PR-Veranstaltung laut, schließlich seien sie hier, um eine Vorlesung zu besuchen.
Doch da Fragen nach Sinn und Zweck an der FU traditionellerweise mangelhaft bis gar nicht beantwortet werden, wird uns dieser wohl auch hier verborgen bleiben. Nicht nur der undemokratische Aufbau der universitären Gremien signalisiert wenig Interesse an studentischen Vorstellungen und Ideen. Auch die ausleibende Unterstützung der Studierbarkeitsumfrage im letzten Semester, welche Probleme und verbesserungswürdige Aspekte im Studium aufzeigen soll, passt in das Bild vom sich um das Präsidialamt drehenden, elitären Haufen, der die Uni hinter geschlossenen Türen regiert.
Aber vielleicht trieb Herrn Lenzen ja die Blamage bei der Immatrikulationsfeier zu dieser schon einer Verzweiflungstat ähnlichen Buhlerei um die Gunst der ErstsemesterInnen. Geschickt ist es allemal, auf diese Art und Weise KritikerInnen aus dem Weg zu gehen. Demokratisch weniger.

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