Aktionstag gut angenommen – Nächstes Semester mehr?!

Trotz anfänglicher Unsicherheit unter den OrganisatorInnen wurde gestern der uniweite Aktionstag gut angenommen. Insgesamt 1000 Leute sollen sich an den verschiedenen dezentralen Aktionen beteiligt haben, und bei der Vollversammlung waren laut Bericht von FU-Watch noch einmal ca. 400 Leute anwesend.
Trotz großen Unmuts über Videoüberwachung auf dem Campus, unhaltbare Studienbedingungen im Bachelor, willkürliche Bibliotheksschließungen, drohende Studiengebühren etc. pp. wurde nicht sofort Streik und Protest ausgerufen – die Versammlung war sich sehr wohl bewußt, dass für größere Proteste die Bewegung an Breite gewinnen muß und weitere Studierende mit einbezogen werden. Folgende Beschlüsse wurden daher gefasst:

1. Auf der heutigen VV wird keine Resolution zur Abstimmung gestellt, dies soll dann erst auf einer kommenden VV im kommenden Semester passieren.
2. Das kommende Semester wird zum Protestsemester erklärt. Wie genau dieser Protest aussieht, ob er einen Streik beinhaltet, wird auf kommenden VVs beschlossen.
3. Die kommende VV im nächsten Semester wird eine “normale VV”, keine Streik-VV.

Spannend wird´s also im nächsten Semester. Steht zu hoffen, dass die Beteiligung wächst statt schrumpft, denn angesichts der Marginalisierung von Studierenden in allen offiziellen Gremien bleibt uns wirklich nur der direktdemokratische Druck von unten, um unsere Interessen durchzusetzen.
Allerdings ist auch zu bemerken, dass große Unsicherheit über die Rahmenbedingungen eines eventuellen Protest herrscht:

Es kam dann zu einer Diskussion, wie das nun sei, ob eine VV wirklich als Entschuldigung für das Fernbleiben in einer Lehrveranstaltung gilt oder nicht. Einige meinten ja, andere sagten dies sei Sache des Dozierenden. Oder aber: Die VV gilt zwar als Entschuldigungsgrund, selbst das entschuldigte Fehlen sei aber nun mal ein Fehlen und hier dürfe eben im Semester eine bestimmte Anzahl von Fehlzeiten in einer LV nicht überschritten werden.
Es war nicht das erste und letzte Mal, dass auf dieser VV etwas Konfusion über das offizielle “Reglement” in einem bestimmten Sachverhalt herrschte (was als Indiz dafür gewertet werden kann, dass es der Veranstaltung etwas an der Präsenz von erfahrenen Studierenden mangelte).

Wenn man erfahrende Studierende fragt, findet man erstaunlicherweise heraus, dass für dieses Problem nicht etwa aus alten Zeiten eine Lösung überliefert ist, sondern dass es früher schlichtweg nicht diskutiert wurde. Dies mag zum einen an einer in der Vergangenheit etwas verbreiteteren antiautoritären Scheißegal-Mentalität liegen, vor allem aber daran, dass das Kontroll- und Anwesenheitsregime im Bachelor enorm ausgeweitet wurde. Anwesenheitslisten sind nun auch für Vorlesungen gang und gäbe, Profs verlangen von ihren Tutoren eine Kontrolle der Ausgänge damit sich niemand davonschleicht (so vorgefallen am OSI) und sogar Proteste von Studierenden gegen geklaute Anwesenheitslisten….
Niemand will im Studium zurückfallen wegen seines politischen Engagements – dennoch sollte aufgepasst werden, nicht in einen Legalistischen „Darf ich das überhaupt“-Diskurs zu verfallen. Das herausfinden der offiziellen Entschuldigungsregelungen kann Ängste abbauen, aber man wird an der FU keine Satzung finden, die z.B. einen Streik, eine Besetzung oder anderes regelt. Wichtig wäre vor allem also ein solidarisch-aufmüpfiger Umgang mit dem Anwesenheitsregime: Listen Klauen, für andere Unterschreiben, 15 Minuten auftauchen, sich für Sichtkontakt einmal melden und dann abdampfen (funktioniert sowohl am anfang als auch am Ende des Seminars).
Denn fängt man einmal an mit dem Satzungsdiskurs, hat man auch ruckzuck wieder andere Debatten: es sei erinnert an die unseligen Streits 2003, wann nun eine VV „rechtskräftig“ sei – denn irgendwo gibt es eine Regel, dass dazu 5% der Studis anwesend sein müssen. Was man nun davon hat, auf einer „rechtskräftigen“ VV eine wilde Demo oder eine illegale Institutsbesetzung zu beschließen, konnte in diesen Debatten leider nicht beantwortet werden. Letztlich haben sie nur weitere Ängste geschürt und die Spontanität des ganzen abgewürgt.
Natürlich ist klar, dass man auf einer Mini-VV nicht weitreichende Beschlüsse für die ganze Uni fällen kann – aber für diese Einsicht reichte auf der gestrigen VV der gesunde Menschenverstand durchaus aus, auch ohne Geschäftsordnung.

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